ihr unterbewusstsein

In der Ruhe liegt der Saft

Das Kino in der Hosentasche

Was könnte mit dieser Überschrift nur wieder gemeint sein?
Sollen Sie, wenn Ihr Freund mit Ihnen Schluß gemacht hat, einen Liebesfilm im Kino ansehen, oder falls Ihre Tochter von der Möglichkeit ganz hingerissen ist, daß jetzt auch Frauen bei der Bundeswehr schaffen dürfen, wiederum im Kino bei einem Kriegsfilm den Eisverkäufer mit Popcorn bewerfen?
Ich weiß, ich gebe Ihnen viele Rätsel auf.

Die Lösung ist wieder ganz einfach, zumindest einfacher als Sie vielleicht denken.
Es geht darum, Ihren aktuellen, vollkommen realen Film zu verlassen und ihn aus der Sicht eines externen, entweder deprimierten oder lachenden Zuschauers zu betrachten, kurz: Auf Distanz zu gehen.

Wie ist das gemeint?
Nehmen wir an, Sie steckten in einen lustigen Verkehrsstau, und weiten wir das Spiel dadurch aus, daß Sie diese Tatsache innerlich stark aufwallen würde.

Natürlich könnte es auch ein bezaubernder Sommertag sein. Sie sitzen bei 40 Grad am Strand unter einem Schirm, lassen sich von einer rassigen Südländerin die Füße massieren, von einer anderen einen Cocktail bringen und von einer dritten Wind mit einem Fächer zuwedeln.
Die 40 Grad sind Realität, der Rest ein Traum, für den Sie im Moment keine Nerven haben.

Die Hitze läßt nicht nur den Schweiß auf Ihrer Stirn wachsen, sondern schiebt auch den Zeiger der Temperaturanzeige der Kühlung bedrohlich nach oben.
Eine Fliege beobachtet interessiert Ihre innere Anspannung und beschließt, Ihnen einen Besuch abzustatten, um Ihnen ein wenig auf der Nase rumzutanzen und um mit Ihnen "Fang mich doch" zu spielen. Sie setzt ihr Vorhaben in die Tat um, und als ob das noch nicht genug wäre, fangen die Kleinen hinten schon wieder an zu mosern "sind wir denn endlich da" und "wie lange brauchen wir noch".
Derweil wollten Sie doch nur Ihre Frau abholen, die die letzte Nacht bei ihrer Bekannten verbracht hat, um sich noch ein paar Urlaubtips geben zu lassen. Doch mit einem "Steig schnell ein und laß uns in den Süden fahren, wo bestimmt ein paar rassige Südländerinnen auf mich warten, wobei ich den Nebensatz nicht laut ausspreche" wird wohl so schnell nichts, denn das Radio gibt bekannt, daß der Verkehr bis zur ersehnten Ausfahrt still liege, und dabei handle es sich ja lediglich um 40 Kilometer.
Glücklicherweise können Sie diesen Gedanken nicht allzu lange festhalten, denn er wird durch ein Winseln des Hundes vertrieben, der seinerseits damit zur Sprache bringen will, daß es doch wirklich wieder Zeit für Gassi gehen wäre.
Was jetzt nur noch fehlt, wäre, daß Ihre Frau anruft, wo Sie denn bitteschön bleiben.
Wer ruft an? Ihre Frau, um Ihnen so richtig Feuer unterm Hintern zu machen, und sie schafft dieses auf ihre unnachahmliche Weise.
Wohin nur mit dem Stau, der sich nicht nur um das Auto herum sondern auch in Ihrem Hals und Bauch gebildet hat?
Ihre Kinder hören nicht auf zu quaken, was Ihnen mittlerweile mehr als nur auf die Nerven geht. Aus dem Nachbarauto kommt ständig ein "Bumm Bumm", was Ihre Aggressionen noch mehr steigern läßt. Doch als der Hund, dessen Hilferufe nach wie vor unerhört blieben, sich hinter Ihrem Sitz einen Platz sucht, um sein Geschäft zu erledigen, explodieren Sie.
Sie reißen die Türe auf, ringen um Luft, atmen dabei so tief die Abgase der ungefähr 558.349 anderen Autos ein, daß Sie schnell mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Preisfrage: Würden Sie auch innerlich fast zerplatzen, wenn dies ein Kinofilm wäre? Sie wären vielleicht innerlich angespannt und aufgeregt, wie es wohl weiter gehen möge, gleichzeitig würden Sie aber laut ins Kino schreien, warum denn dieser Hirsch nicht ruhig bleibe, sich die Karte schnappe und die Prärie unsicher mache?
Oder vielleicht käme Ihnen die Idee, daß doch dieser Held die Idee finden könne, das nächste Mal auf dem Dach statt der Fahrräder Sonnenschirme und eine große Kühlbox mit Getränken zu montieren, um diese den restlichen Fahrern, denen es wohl nicht besser ergeht, zu verkaufen, wodurch Sie ein Marktnische gefunden hätten.

Natürlich bekommen Sie in Wirklichkeit keinen Wutanfall auf Grund eines Verkehrsstaus, sind nur mehr oder weniger entnervt, außer Sie spielen in einem Film namens "Ein ganz normaler Tag mit" (Interessant, wie inspirierend Filme sein können).

Aber was hat dies nun alles mit Ihrem Problem zu tun?
Nun, der Unterschied besteht in der subjektiven und objektiven Betrachtungsweise der Situation. Wenn Sie in einer derartigen Situation stecken, überläßt Ihr Verstand oft Ihren negativen Emotionen das Kommando. Mit dem Ergebnis, daß Ihnen gute Ideen, die Ihnen bei einem gewissen Abstand und damit verbundener Ruhe in den Sinn kommen würden, erst gar nicht den Versuch unternehmen, den Weg aus Ihrem Unterbewußtsein in Ihr Bewußtsein auf sich nehmen.

Das heißt, Sie müßten nur zur Ruhe kommen, um zu erkennen, daß der Eiswagen, der sich direkt hinter Ihnen befindet, das passende Produkt enthält, um Ihre Kinder erst einmal verstummen zu lassen.
Kurz: Bewahren Sie sich in schwierigen Situationen oder bei Niederlagen Ihre Objektivität und alles ist Butter.

Nun mag der werte Leser oder die teure Leserin, also Sie, einwenden, alle Theorie sei grau und in der Praxis sei dies doch nicht anzuwenden. Empfehle der Autor etwa, der Leser beziehungsweise die Leserin solle bei einem Stau auf der Autobahn das Auto verlassen und in der nächstliegenden Stadt ein Kino aufzusuchen? Ganz abgesehen von der Tatsache, daß dort bestimmt kein Film über seine eigene, augenblickliche Lage laufen dürfte. Und wenn doch, ist die aktuelle Vorstellung gewiß ausverkauft. Falls dies auch nicht zutreffen möge, ist der Bar bestimmt der Vorrat an Chips in Knistertüten ausgegangen.

Nein, warum denken Sie, spricht die Überschrift von einem Kino in Ihrer Hosentasche und nicht in der nächsten Stadt?
Bevor Sie jetzt einwenden, was das für eine abgefahrene Idee sein soll, sein eigenes Kino immer dabei haben zu sollen, sage ich Ihnen, was Sache ist, einverstanden?

Ihre Situation sehen Sie als Film in einem Kino, wenn Sie die Augen schließen, und sich vorstellen, wie Sie und die anderen Zuschauer mit dem Held, den rein zufällig Sie selber darstellen, mitfiebern. Bei all der Spannung dürfen Sie natürlich nicht vergessen, der Hauptfigur dieses surrealen Filmes Tips zu geben, wie Sie es auch sonst bei einem guten Film machen würden.
Ich gebe zu: Diese Methode ist mit nörgelnden Kindern im Auto etwas schwierig anzuwenden, da Sie eine gewisse Ruhe und ein paar Minuten brauchen, bis Sie Ihren eigenen Kinosaal eingerichtet haben.

Sagen Sie im Ernst: Ist das schwer? Nein, gewiß nicht.
Vielleicht fällt es Ihnen allerdings schwer, sich selber von außen zu beobachten. Dies ist weiter kein Problem, da Sie diese Figur durch eine andere ersetzen.
Aus welchen Gründen auch immer erscheint bei meinen Filmen statt meiner Wenigkeit
grundsätzlich Charlie Chaplin, um damit vielleicht die Ironie der Situation zum Ausdruck zu bringen.
Aber ich rate Ihnen, es bei der Ersetzung Ihrer eigenen Person zu belassen und den restlichen Film den Tatsachen entsprechend ablaufen zu lassen.
Nicht daß Sie alle Figuren verfremden, am Schluß ein Zeichentrickfilm herauskommt und Sie vor lauter Lachen ganz vergessen, Ihre Situation dadurch mit dem gewissen Abstand zu bewerten.

Sie sehen die ersten zwei Tips als ganz praktisch, nett und witzig an, aber für Ihre derzeitige Situation sind sie nicht die richtigen? Wie wäre es, wenn Sie Ihre Niederlage als Segen sehen?
Bevor Sie jetzt kopfschüttelnd eine derartige Aussage als Unsinn abstempeln, klicken Sie zur nächsten Seite und lassen Sie sich das Gegenteil demonstrieren.

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Kommentare zu diesem Artikel

UBS: es wird weitergeführt ( positiv denken )
(12.08.2008 15:00 Uhr)
sandmänchen: bitte weiterführn :(
(19.05.2008 12:21 Uhr)
OK: Hallo,
ich habe alle Artikel mit Begeisterung gelesen. Am Schluß stelle ich mir nun die Frage ob das alles ist oder geht es weiter. Außerdem frage ich mich was der Autor damit bezwecken will, falls eine Absicht dahinter steckt. Oder ist ihm die Puste ausgegangen. Vielleicht wollte er aber nur Langschläfer aus dem Tiefschlaf wecken.
(07.01.2007 07:18 Uhr)
m.: hallo zusammen,
warum schreibt ihr den Artikel nicht weiter?
(26.07.2005 19:20 Uhr)
Roger: Hier fehlt eindeutig die Fortsetzung. Superartikel, wie in etwa alles, was ich hier die letzten Tage (mehrfach) gelesen habe.
(29.10.2004 15:56 Uhr)
 
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Email an die RedaktionImpressumLinks zu Unterbewusstsein • 31.07.2010 11:56