Rezeptvorschlag: Wunderpizza nach Hausmacherart
Keine gute Pizza ohne die richtigen Zutaten
Wie Sie dem Prolog entnehmen können, sind gewisse Voraussetzungen nötig, damit Ihre in den Lebens-Ofen gesteckten Wünsche nicht verbrennen, oder daß selbiger diese gar selber verschluckt.
Was sind diese Voraussetzungen? Diplome in mindestens drei Studiengängen? Die Fähigkeit, innerhalb von 20 Minuten alle Früchte eines Erdbeerenfeldes essen zu können? Brauchen Sie dafür ein tolles Auto?
Lassen Sie mich Ihnen die ganzen Voraussetzungen anhand eines einfachen Beispiels aufzeigen: Einer Pizza.
"Einer WAS?"
Einer Pizza.
"Habe ich das richtig verstanden? Der Autor will allen Ernstes die Voraussetzungen für eine Gebetserhörung einer Pizza gleich setzen?"
Was ist denn so schlimm daran? Mögen Sie keine Pizza?
Tja, selbst wenn dem so sein sollte - jetzt ist es zu spät, Sie befinden sich bereits im virtuellen Kochstudio des Gasthauses "Zum Lebenssaft". Falls Sie nun eine schweißnasse Stirn haben, weil Ihnen sogar das Wasser anbrennt - Sie brauchen keine Angst zu haben. Wir machen das alles Schritt für Schritt, einverstanden?
Falls Ihre Nervosität mit Ihnen jetzt allerdings tatsächlich durchgehen sollte, können Sie auch direkt zur nächsten Seite gehen, da es sich bei dieser hier um eine reine unterhaltsame und ungewöhnliche Einführung handelt, die Sie natürlich auf keinen Fall verpassen sollten.
Haben Sie sich eine weiße Mütze aufgesetzt, Kochlöffel verschiedener Größen auf Ihrem Monitor gelegt, sind frisch geduscht? Gut, dann kann es ja los gehen.
Stellt sich uns Hobbybäckern eine grundsätzliche Frage: Was brauchen wir denn für eine wunderbare Pizza nach Art des Hauses?
Kümmern wir uns zuerst um das, was eine Pizza ausmacht: Den Boden.
Denken Sie für ein paar Minuten über den Sinn Ihres Lebens und dessen Bezug zu einer Pizza nach. Legen Sie sodann entspannte und entspannende Musik auf (zur Not tut es auch eine Fußballübertragung im Fernsehen) und schütten Sie doch bitte gleichzeitig (!) ca. ein halbes Kilo Mehl, 1/4 Liter lauwarmes Wasser, 20g Frischhefe, ein bißchen Zucker und Salz und ein, zwei Eßlöffel Cognac in einen hohen Topf.
Wenn das Timing stimmt, gibt es eine Implosion, und Sie haben sich 20 Minuten lästiges Rühren und Kneten erspart.
Wenn Sie den richtigen Zeitpunkt hingegen verpaßt haben sollten, so stehen Ihnen 20 Minuten lästiges Rühren und Kneten bevor. Dazu mixen Sie die Mischung in dem Topf so lange, bis Sie die Einsicht haben "so könnte es gut sein". Werfen Sie nun den Teig auf ein Blech und rollen Sie selbigen mit einem Nudelholz zu einem Muster aus. Sie können es dabei natürlich bei einem bewährten Kreis belassen, aber wie wäre es mit einem chinesischen Schriftzeichen?
Lassen Sie Ihrer Kreativität ruhig freien Lauf.
Falls Sie über kein Nudelholz verfügen, können Sie auch eine Flasche guten Wein benutzen. Die Flasche kann bei Bedarf auch zur fertigen Pizza getrunken werden, oder vor dem Rollen. In diesem Falle könnten Sie eventuell auch eine Flaschenpizza backen. Würde Ihnen nach dem Verzehr einer Flasche Wein auf nüchternen Magen wohl ohnehin nicht mehr auffallen.
Anmerkung: Sie können bereits zu diesem Zeitpunkt großzügig variieren.
Statt ein bißchen Zucker können Sie die Mengenangaben für Zucker und Mehl vertauschen, wodurch zwar die Pizza sehr süß schmeckt und auch nicht mehr knetbar ist und auch nichts mehr mit einer Pizza zu tun hat, aber womöglich trifft dies ja Ihren Geschmack.
Zweite Idee: Anstelle zweier Eßlöffel eine ganze Flasche Cognac verwenden. Somit hätte dann die Pizza ebenfalls nicht mehr viel mit einer Pizza zu tun, aber Sie hätten eine neuartige, rein theoretisch gutschmeckende, auf jeden Fall aber umhauende Bole kreiert.
Das Mehl können Sie wiederum - auf eigene Gefahr - durch ein gerolltes Huhn ersetzen.
Der Teig wäre somit angerichtet, war nicht weiter aufregend. Aber jetzt kommen wir zum spannensten, innovativsten und saftigsten Belag, den Sie sich nur vorstellen können.
Das Originalrezept, welches Sie übrigens im Anhang finden, umfaßt unter anderem folgende Zutaten:
- 200 g geriebener Emmentaler
- 200 g Schafkäse
- Olivenöl
- 50 g Salami in dünnen Scheiben
- 250 g Hackfleisch
- 1 Dose gehackte Pizzatomaten
- 4 Knoblauchzehen
- 500 g Broccoli
- 100 g grüne Oliven
- Oregano
In diesem Artikel werden allerdings ein paar Zutaten durch für einen Pizzabelag recht ungewöhnliche Bestandteile ersetzt (jetzt sagen Sie bloß nicht, das hätten Sie schon irgendwie geahnt.)
Die paar Oliven ersetzen wir durch eine viel größere Menge an Ausdauer, genauer gesagt zehn Säcke Ausdauer, damit wir ja nicht in Versuchung geraten, die Pizza zu früh aus dem Ofen zu nehmen. Sie wissen ja, es mag vielleicht halbe Pizzen geben, halbe Wunder aber nicht.
Was ist statt des Öls für eine Pizza noch wichtiger? Das Verlangen, überhaupt eine zu wollen. Folglich habe ich das Verlangen, das Öl durch einen Liter Verlangen zu ersetzen, sowie die 250g Hackfleisch durch eine wesentlich geringere Menge Fachwissen. Denn was kommt raus, wenn Sie Hackfleisch haben, aber nicht wissen, ob Sie sich das jetzt auf Ihren Kopf oder unter den Teig legen sollen? Mit dem nötigen Fachwissen können Sie zur Not auf das Hackfleisch verzichten.
Den ganzen Käse ersetzen wir durch 200g Aufgeschlossen- und 5 Kilo Gelassenheit. Warum werden Sie noch erfahren.
Zu guter letzt sei statt den Tomaten und dem Knoblauch ein Teelöffel Zeit genommen. Eine Pizza ohne Tomaten ist zwar langweilig, aber durchaus vorstellbar. Eine Pizza ohne Zeit ist. nun, eine Pizza ohne Zeit ist schlicht und ergreifend nicht existent. Speziell aber zum Thema Zeit kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu, den ich Ihnen jetzt aber vorenthalte, um ein bißchen die Spannung zu steigern.
Der Teig liegt wie totgeschlagen auf dem Blech? Beziehungsweise steckt bei einer eventuellen Variation in einer Flasche?
Wollen wir doch aus den restlichen Zutaten einen schmackhaften Belag zusammenstellen und diesen in die Flasche stopfen.
Heizen Sie doch bitte zu diesem Zeitpunkt bereits den Ofen mit 180° bis 200° vor.
Der Wunsch gehört behutsam geschält, dabei bitte nicht zu fest aufdrücken und bei maximaler Temperatur im Verlangen kochen lassen.
Vom Broccoli nur die feinen Röschen nehmen, den ganzen Rest wegschneiden. Das Wissen zerbröseln, die Aufgeschlossenheit in zentimetergroße Würfel schneiden und alles zusammen in einer großen Pfanne mit ein wenig Butter anschwitzen. Ja, von der Butter habe ich nichts erwähnt, ich weiß, gemein.
Der Teig wird mit verschwenderisch viel Ausdauer und Gelassenheit bepinselt, danach werden Zeit sowie der Inhalt der Pfanne gleichmäßig verteilt. Den bisherigen Belag geschickt mit Salamischeiben, aus welchen Sie vielleicht kleine Schiffchen bauen können (Sie wissen ja, das Auge ißt mit), garnieren und mit Oregano würzen.
Die einmal werdende Pizza wird nun wieder in reichen Mengen mit Ausdauer und Gelassenheit beglückt und in den Backofen auf die zweitunterste Schiene eingesetzt.
Schließen Sie den Ofen, warten Sie, und wenn die Pizza fertig ist, meldet sie sich schon von selber.
Als Variationsmöglichkeit können Sie an beliebiger Stelle weitere Zutaten hinzufügen oder nach dem Zufallsprinzip nur 4 Zutaten für den Belag auswählen und mit Ihrer Familie in der Zwischenzeit ein Quiz veranstalten, was denn dabei raus kommen möge. Der Gewinner beziehungsweise die Gewinnerin muß die ganze Pizza alleine essen.
Soweit zur Zubereitung. Wie Sie sehen ein Kinderspiel.
Doch in diesem Artikel wollen wir ja unser Augenmerk speziell auf die Zutaten wenden, welche Sie nicht alle im Aldi erstehen können.
Lassen Sie uns mit der Grundsubstanz einer jeden Pizza bzw. eines jeden ordentlich erfüllten größeren Wunsches loslegen: Dem Verlangen.
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Kommentare zu diesem Artikel
Roger: Selten habe ich auf so amüsante Art das Thema erklärt bekommen. Jetzt backe ich eine Pizza.
Danke. (28.10.2004 14:58 Uhr) | ||
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