ihr unterbewusstsein

Rezeptvorschlag: Wunderpizza nach Hausmacherart

1 Liter Verlangen

Das Verlangen ist die wichtigste Stufe zur Wunscherfüllung, quasi wie der komplette Teig für die Pizza.
Ohne das Verlangen nach der Erfüllung eines Wunsches werden Sie nicht bereit sein, die notwendige Zeit aufzubringen und schwierigen, teils entmutigenden Situationen zu trotzen und weiterhin an Ihrem Wunsch festzuhalten.

Wenn sie denken, dies sei irgendwo logisch - ja, das ist es. Dennoch bleiben viele Träume bereits an der Barriere zu geringen Verlangens hängen und bleiben das, was sie nicht bleiben sollten: Träume.

Sie müssen eine Pizza WIRKLICH wollen, auch wenn im Umkreis alle Pizzarien auf einmal Konkurs anmelden, und selbst wenn der Verzehr von Pizza vom Staat ab sofort zensiert wird.
Zu sagen "ich will eine Pizza, gehe zum Kühlschrank, und wenn keine da ist, habe ich eben Pech gehabt" entspricht einem Verlangen der Kategorie "ich hätte da vielleicht recht gerne", aber keinem heißen Verlangen, keinem unumstößlichen Wunsch, der schlichtweg in Erfüllung gehen muß.
Das Argument, daß Sie direkt über Penny wohnen, und daß dort wenigstens Pizzen für 95 Cents angeboten werden, will ich überhört haben. Erstens geben wir uns nicht mit halb erfüllten Wünschen und Pizzen, die nicht einmal auf der Verpackung gut aussehen, zufrieden. Ihr Magen muß Sie mit seinem Wunsch nach mindestens dem Besten halb kirre machen und Sie nur eine frische Pizza mit frischen (!) Champignons (keine Pilze aus der Dose! Diese kann man zwar essen, aber die Betonung liegt auf KANN) akzeptieren lassen.
Aber selbst wenn Sie denken "Laß den ruhig reden - lieber ein Spiegelei in der Hand als ein saftiges, verzüglich gewürztes und knusprig gegrilltes Hähnchen auf dem Dach" - Im Falle einer Pizza können und dürfen Sie kein Pardon walten lassen! Diese Billigpizzen von "Mama Pasta" sind ja wohl... *schüttel*
.und wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf: Geben Sie sich nicht nur mit falschen Pizzen nicht zufrieden, sondern mit jedem Wunsch!

Verlassen wir für einen Augenblick die Küche und wenden uns der Lektüre des Wegweisers von Napoleon Hill "Denke nach und werde reich" zu, welches zu meinem großen Bedauern nicht "Backe eine Pizza und werde reich" betitelt wurde.
Dieses weiß von dem einst armen Edwin Barnes zu berichten.

Barnes wollte Geschäftpartner eines unbedeutenden Wissenschaftlers namens Thomas A. Edison werden. Falls Sie mit dem Namen nichts anfangen können: Edison zeichnet sich für die unnütze Erfindungen der Glühbirne verantwortlich.

Zum Vergleich: Barnes Vorhaben könnte Ihrem Wunsch entsprechen (falls Sie ihn hätten), Geschäftspartner des ebenfalls unbedeutenden Softwareentwicklers Bill Gates zu werden.
Falls Sie der Meinung sind, dieser Vergleich sei etwas überdimensioniert: Auf was würden Sie in Ihrem Leben eher verzichten: Elektrisches Licht oder Windows?

Darf ich annehmen, daß für Sie eine Partnerschaft mit Gates eine nicht zu backende Pizza darstellt?
Nun, Barnes dachte bei seinem Wunsch weniger an Pizza (zumindest nehme ich das an), als vielmehr an zwei scheinbar unüberwindliche Probleme: Er wußte nicht, wie er die Zugfahrt zu Edisons Büro bezahlen sollte, und abgesehen davon kannte er Edison nicht einmal.
Viele Menschen begnügen sich bereits beim Gedanken an derartige Probleme mit dem Photo einer guten Pizza, aber Barnes wollte eine frische Pizza, mit all den Köstlichkeiten belegt, die das Büro von Edison hergeben möge.

Wie backt einer vor Verlangen schier explodierender Pizzabäcker wie Barnes?
Er springt auf einen Güterwagen, tritt wie ein Landstreicher gekleidet vor Edison und fordert von ihm die Erfüllung seines Wunsches. Gut, Barnes wurde zwar nicht gleich mit einer extra für ihn aus Italien eingeflogenen Pizza beschenkt, aber er bekam einen kleinen Job, und durch den unermüdlichen Ausbau seines Hungers war er nach wenigen Jahren tatsächlich Edisons Geschäftspartner.
Wie er dies alles genau anstellte, was Edison dazu zu sagen hat und mit welchem speziellen Belag die Pizza am Ende belegt war entnehmen Sie bitte den ersten 25 Seiten aus Hills "Denke nach und werde reich".

Barnes' Verlangen entsprach eben nicht der weiter oben erwähnten "ich hätte da vielleicht recht gerne"-Kategorie, sondern es war sein unumstößliches, brennendes Verlagen, welches nur die 100%ige Erfüllung seines Wunsches zuließ.

Wenn Sie sich ein Haus wünschen, wird, vorausgesetzt die Pizza wird auch mit den restlichen Zutaten belegt, der magische Ofen auf eine für Sie unverständliche Weise alles in die Wege leiten, was für die Erfüllung Ihres Wunsches nötig ist.
Sei es, daß Ihnen überraschend eines vererbt wird, daß Sie plötzlich im Lotto gewinnen oder daß Sie ein leerstehendes Haus sehen, welches zu einem Spottpreis abgegeben wird.

Was folgern wir aus all dem Gesagten? Wenn Sie einen Wunsch haben, verwerfen Sie ihn entweder gleich wieder oder fassen Sie den definitiven Entschluß, daß dieser reale Formen annehmen muß, ganz schnuppe, was sich in den Weg stellen möge, außer es tut anderen weh.

Nun mögen Sie für ein Ziel ein brennendes Verlangen haben, sind sich aber darüber im Klaren (oder auch nicht), daß Ihr Ziel noch über viel mehr Verlangen benötigt, als Sie eingekauft haben.
Das ist der springende Punkt: Wenn das Verlangen nicht reichen sollte, können Sie dann den Wunsch gleich in den Abfall werfen oder können Sie sich tatsächlich noch mehr Verlangen besorgen?

Im Falle des Olivenöls, welches wir, gut, welches ich durch das Verlangen ersetzt habe, hätten Sie ja noch einigermaßen leichtes Spiel. Für eine durchschnittliche Pizza würden Sie sich bei Ihrem Nachbarn Nachschub besorgen, im Falle einer saumäßig guten Calzone sollte Ihnen die Nachrüstung schon einen kurzen Abstecher nach Italien wert sein.
Bei der Gelegenheit könnten Sie noch der Modeschau in Mailand einen Besuch abstatten oder mit der Gondel durch Venedig schippern.
Wobei. dann könnten Sie auch gleich dort ein Original genießen, hätten keinen Wunsch mehr, eine eigene zu fertigen, und der Artikel würde sich dabei erübrigen.
Gehen Sie zum Nachbarn.

Ob Ihr Nachbar allerdings auch noch ein paar Flaschen Verlangen auf Vorrat hat?
Gewiß nicht. Folglich ist Eigeninitiative gefragt.
Nun wird zwar oft behauptet, daß nur derjenige das entsprechende Verlangen mitbringt, der vollkommen ausgehungert ist oder dem es lange verboten war zu kochen. Unfug!
Verlangen kann ganz klar entwickelt werden, und angesichts der Bedeutung des Verlangens ist dessen Entwicklung fast schon unverschämt einfach.
Es reicht, sich in regelmäßigen Abständen die fertige Pizza vor Augen zu führen.
Die ersten paar Tage hat dies noch keine Auswirkung, nach zwei Monaten ist Ihnen die Erfüllung des Traums so wichtig wie. wie Ihre Familie und ein zeitlich unbegrenztes Pizzaabo zusammen.
Das war's schon.

Bevor Sie nun anfangen, Ihren Garten nach Bäumen abzusuchen, an denen Schafskäse als die von uns benötigte zweite Zutat wächst, sei mir noch die Bemerkung gestattet, daß die Mengenangabe für das Verlangen natürlich nicht ganz stimmt.
Ein Liter Verlangen ist eher als "ganz nett" anzusehen, denn an Verlangen können Sie nicht genug haben.
Das heißt, mischen Sie all das Verlangen, das sie nur besorgen können dem Pizzabelag bei, und wenn die restlichen Zutaten vor lauter Öl beziehungsweise Verlangen untergehen, so soll Ihnen das nur recht sein.
Für die Praxis heißt das: Wenn Sie erst einmal ein gewisses Verlangen aufgebaut haben, hören Sie nicht damit auf, dieses weiter wachsen zu lassen.

Und jetzt gehen wir ein paar Schafe suchen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Roger: Selten habe ich auf so amüsante Art das Thema erklärt bekommen. Jetzt backe ich eine Pizza.
Danke.
(28.10.2004 14:58 Uhr)
 
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