Rezeptvorschlag: Wunderpizza nach Hausmacherart
Ein Teelöffel Zeit
Die Sache mit dem Knoblauch hat es in sich. Er schmeckt ja so was von gut, ist ja so was von gesund - und so was von gefährlich, wenn man sich mit anderen Menschen in einem Raum aufhält, die keinen Knoblauch gegessen haben.
Die Geschichte mit der Zeit scheint auf den ersten Blick hingegen kein so großes Problem darzustellen. Klar, niemand hat Zeit, Sie auch nicht, ich auch nicht. Aber im Ernst: Was sind schon zehn Minuten?
Rein gar nichts, vor allem wenn es um einen guten Zweck geht. Und nachdem Sie sich vor lauter Verlangen durchgerungen haben, sich Kenntnisse über das Pizzabacken und das Füttern von Bernhardinern zuzulegen, gilt es die richtigen Methoden regelmäßig anzuwenden und sich im Alltag das einmal Erbaute nicht durch negative Beeinflussungen kaputt zu machen.
Alles ganz einfach, und Sie könnten gleich zur Baywa fahren (falls Ihnen der Name "Baywa" nichts sagt: Die Baywa ist so eine Art Bau- und Bauernmarkt, die auch Lebensmittel in ganzen Säcken verkauft. Sie werden bei der Baywa gewiß keine tiefgefrorene Schnitzel finden, aber Säcke voller Mehl, Getreide et cetera), um einige Säcke Ausdauer zu besorgen, wenn es bei der Frage der Zeit nicht den Schönheitsfehler gäbe, daß in der Praxis alles ganz anders aussieht.
Ja, wie sieht denn die Praxis aus? Oder besser: Wie sollte sie aussehen?
Nehmen wir einen fiktiven Willi. Falls Sie weiblicher Natur sind, können Sie Willi natürlich auch durch eine Wilhelmine ersetzen.
Willi hat von den phantastisch einfachen und kostenlosen Methoden bei Lebenssaft gehört, und will sich mit deren Hilfe seinen großen Wunsch nach einem Haus erfüllen, welcher mangels finanziellen Ressourcen bisher ein Wunsch geblieben ist.
Er hat sich die seiner Meinung nach am besten geeignete Technik der Visualisierung ausgesucht und ist sich darüber im Klaren, daß er diese sowohl jeden Morgen, kurz nach dem Aufstehen und jeden Abend, kurz vor dem Schlafen fünf Minuten bis eine halbe Stunde anwenden muß, um sein Unterbewußtsein von der Wahrheit seiner Suggestionen zu überzeugen.
Am nächsten Morgen würde er dann loslegen, so der Vorsatz Willis.
Und was er nicht alles machen würde und getan haben werde wenn nicht hätte.
Der nächste Morgen sieht nämlich wie folgt aus: Als der Wecker klingelt, bekommt dieser Willis Faust zu spüren, als hätte der Wecker selber beschlossen, 20 Minuten früher als gewohnt zu scheppern.
Als Willi endlich auf den Beinen steht kommt ihm sein Vorhaben wieder ins Bewußtsein.
Während einer Tasse Kaffee fällt ihm natürlich sofort eine Ausrede ein: "Ja, ich müßte ja jetzt normalerweise meditieren, oder zumindest wollte ich es machen, aber ich muß ja jetzt gleich los [obwohl noch 30 Minuten zur Verfügung stehen], und ich kann das ja dann in der Mittagspause im Büro machen, wenn alle anderen weg sind."
In der Mittagspause sind in der Tat alle anderen weg. Ausnahmslos alle, inklusive Willi, der sich eine ordentliche Mahlzeit im Pizzahut nicht entgehen lassen wollte.
Willi beschließt, das Versäumnis am Abend nachzuholen, und zwar um 19:00 Uhr, wenn die Kinder noch beim Fußball sind und die Frau noch eine halbe Stunde braucht, bis sie zu Hause ist.
Willi ist mittlerweile zu Hause, es ist 18:45 Uhr, und er ist sich seines Vorhabens nach wie vor bewußt. Genauso ist sich sein Magen im Klaren darüber, daß ein kleiner Happen vor dem eigentlichen Abendessen auch nicht verkehrt wäre.
Willi will sich nur noch schnell ein paar Stullen schmieren und dann.
Während Willi sich mit seine Brotzeit beschäftigt, schaltet er noch schnell die Flimmerkiste ein, wo gerade "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" läuft. Aber Willi will wirklich nur seine Schnitten essen, dann wird er sich auch für zehn Minuten zurückziehen. Die Brötchen sind vertilgt, "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" steht wieder kurz vor seinem absolut dramatischen und mitreißenden Höhepunkt, und "Nur noch zu Ende schauen, dann gehe ich auch meditieren". Die guten Zeiten zum meditieren sind vorbei (die schlechten Zeiten im Fernsehen zum Glück auch), und gerade sperrt die Frau auf.
"Gut, hat jetzt nicht geklappt, mache ich heute vor dem Schlafen gehen". Daß Willi auf Grund eines guten Spielfilms, der Gutenachtgeschichte für seine Kinder und seiner hohen Müdigkeit wieder keine zehn Minuten in Stille verbracht hat, können Sie sich denken. Und wie sieht das morgen aus? Wie sieht das in einem Jahr aus? Ganz provozierend gefragt: Wie sieht das bei Ihnen aus?
Nun, Sie brauchen sich gar nicht erst raus reden, warum Sie letztes Jahr doch nicht mit dem Laufen angefangen haben, warum Sie immer noch rauchen oder nach wie vor Big Brother ansehen - der Schuldige ist bereits gefunden und ist ein ganz gemeiner Hund, genauer gesagt eine Schweinehund, der grundsätzlich dann aus seinem Körbchen springt, wenn wir Zeit für etwas Gutes und (!) Sinnvolles verwenden wollen. (die Rede ist nicht von einem guten Spielfilm, sondern von einer Tätigkeit zur Lebensverbesserung).
Als einfache Schlußfolgerung können wir festhalten, daß wir gerne ein paar Minuten jeden Morgen und jeden Abend aufbringen würden, um unsere Wünsche auf bequeme Art und Weise zu erfüllen, wenn sich nicht immer dieses Mistviech uns in den Weg stellen würde.
Gottlob gibt es Möglichkeiten, aus diesem Schweinehund ein wohl dressiertes Hausschwein zu machen. Da die Erläuterung dieser Möglichkeiten allerdings den Umfang dieses Artikels endgültig sprengen würde, wird der Erziehung dieses Ferkels in naher Zukunft ein eigener Artikel gewidmet.
Die notwendigen Besorgungen für den Belag Ihrer Lebenspizza wären somit weitestgehend abgeschlossen, es fehlen nur noch eine große Menge Ausdauer und ein paar Kilo Gelassenheit, bevor Sie den Ofen mit Ihrem Wunsch füttern können.
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Kommentare zu diesem Artikel
Smaragda Kalfopoulos: ja, genau!! Ich möchte so und so leben und will mich nicht ständig durch Leute, die noch nicht so weit sind, ausbremsen lassen. Es ist MEIN Leben!!! Danke, Arpad. (20.07.2010 22:14 Uhr) Roger: Selten habe ich auf so amüsante Art das Thema erklärt bekommen. Jetzt backe ich eine Pizza.
Danke. (28.10.2004 14:58 Uhr) | ||
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